Das Zündholz sprach zur Kerze: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“ „Nur das nicht“, sagte die Kerze ganz verängstigt. „Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt und niemand wird künftig meine Schönheit bewundern.“ Das Zündholz gab zu bedenken: „Anzünden ist das Einzige, was ich kann. Zünde ich nicht an, verpasse ich meinen Auftrag und gehe an meiner eigentlichen Bestimmung vorüber.“

„Gut, das sehe ich ein“, meinte die Kerze, „aber was hat das mit mir zu tun?“ „Du bist eine Kerze, dazu bestimmt, Licht zu spenden. Willst du denn dein Leben lang kalt und starr bleiben, ohne deine Aufgabe erfüllt zu haben?“
„Aber brennen tut doch weh“, seufzte die Kerze. „Und wenn du mich anzündest, schwinden meine Kräfte dahin.“
„Ja, das stimmt“, gab das Streichholz zu. „Aber ist es nicht das Geheimnis unserer Berufung, Licht zu spenden? Du sollst für andere leuchten. Alles, was du an Schmerz erfährst und an Kraft verlierst, wenn du dich in der Flamme verzehrst, wird in wärmendes Licht verwandelt, an dem sich viele erfreuen werden. Wenn du dich aber versagst, breitet sich Finsternis aus, dort wo du stehst.“
Da besann sich die Kerze eine Weile, dann spitzte sie ihren Docht und sprach voller Erwartung: „Zünde mich an“.